In der heutigen Zeit sind die Menschen geprägt vom Hunger nach Erlebnissen. Der Mensch möchte sich ereignen und so ist ein potentielles Publikum immer schwerer einzufangen. Jeder, der Events organisiert oder Incentives plant, kann ein Lied davon singen. Auch davon, dass in der Branche der Eventagenturen bisweilen eine hektische Betriebsamkeit herrscht, die mit manch oberflächlicherm Aktionismus gerne einmal über das Ziel hinaus schießt. In seinem Buch "Marketing spüren. Willkommen am Dritten Ort" untersucht der "Vordenker neuer Erlebniswelten" und Unternehmensberater Christian Mikunda die Bedingungen der Erlebnisgesellschaft und beschreibt die Konsequenzen für neue Marketingstrategien.

Der dritte Ort ist laut Mikunda ein emotional aufgeladener Ort, eine Art drittes Zuhause und antwortet auf die Sehnsucht der Menschheit nach halböffentlichen inszenierten Lebensräumen. Starbucks ist beispielsweise so ein Ort. Firmen wie Sony setzen in ihrer Werbung auf ähnliche Strategien und auch die Stadt als solche kann inszenierter dritter Ort werden.
"Die erfolgreichen Erlebniskonzepte der Gegenwart verbinden die Sehnsucht nach dem Entertainment mit ehrlichen, großen Gefühlen, mit echten Materialien und hochwertigem Design, mit Lebenshilfe im Alltag, mit der Seelenmassage zwischendurch für den gestressten Kunden. Kurzum. Die Erlebnisgesellschaft ist erwachsen geworden."
So gehe es heute mehr denn je darum, die Inszenierung von Gefühlen, das Erzählen von Geschichten und die Drehbücher im Kopf der Kunden zu aktivieren.
"Der emotionale Mehrwert von Entertainment im Markteing hat sich sowohl langfristig als imgabildender Faktor als auch direkt am Punkt des Geschehens bewährt. Denn Erlebnisse steigern die Aufmerksamkeit, erhöhen die Verweildauer und wirken unmittelbar verkaufsfördernd."
Von Berichten über neue Ladenkonzepten und über inszienierte Verblüffung im Stadtmarketing (schönes Beispiel die Züricher Kühe, die 1998 überall in der Stadt für Aufmerksamkeit sorgten und bis heute zahlreiche Nachahmer gefunden haben) entwickelt Mikunda ein interessantes Rezeptbuch der neuen Erlebniswelten.
"Wer heute durch eine attraktive Stadt spaziert, versprüt dabei ein ähnliches Gefühl der Lebendigkeit wie in einer gelungenen Unterhaltungsshow."
Wichtig dabei sei in allererster Linie die Begeisterung, das Ungewöhnliche und die Überraschung. Denn nur so gelingt es einem trotz der Flut an Bildern und Informationen, die auf den Menschen heute einstürmen, überhaupt noch, eine Botschaft zu vermitteln.
"Das Publikum muss neugierig werden, es muss antizipieren, wörtlich übersetzt 'auf ein Ziel gespannt' werden."
Von Urbain Entertainment Centres über Stadtevents, von Restaurants und Bars als Sensation und Einkaufsorten als hochwertige Unterhaltung (Shop-o-tainment) berichtet Mikunda mit zahlreichen gut geschilderten Beispielen, die dieses Buch zu einem wahren Lesevergnügen für all diejenigen machen wird, die sich mit den Lebensbedingungen der modernen Gesellschaft auseinander setzen wollen.
Geschrieben von sehenswert in Gedankensplitter am 08.06.07 13:04 | [Bearbeiten]
»Von aussen bietet die ungeheure Stadt Köln mit einem Wald von Mastbäumen und den unzähligen Kirchthürmen einen prächtigen Anblick dar. Allein alle Pracht verschwindet, sobald man einen Fuss unter das Thor gesetzt hat. Die Strassen und die Einwohner sind gleich schmutzig und finster ...«
(Briefe eines reisenden Franzosen über Deutschland an seinen Bruder zu Paris, 1784)