Während der Friedrich Berlin Verlag beschlossen hat, seine regelmäßig erscheinenden "Literaturen" auf "ein für den normalen Leser erträglicheres Pensum an Lesestoff" einzudämpfen, haben wir uns gedacht, dass die Literaturstadt Köln noch ein weiteres Programm zu diesem Thema vertragen kann. Deswegen taten wir uns mit der Literaturwissenschaftlerin Ulrike Sawicki zusammen. Für die vergangene Expedition Colonia hat sie die dann die Kölner Literatour entwickelt: einen spannenden und unterhaltsamen Rundgang an schöne und durchaus auch schmucklose Orte Kölns, die mit Lyrik und Prosa und Hintergrundstories die Literaturszene der Stadt vorstellen.

Ulrike Sawicki liebt Bücher aus anderen Ländern und hat sich einen Namen als Übersetzerin niederländischer Literatur gemacht. Doch auch die Literatur vor der Haustür beschäftigt die umtriebige Geisteswissenschaftlerin, die unter anderem mehrere Jahre in den Niederlanden gelebt hat und jetzt seit 15 Jahren mit ganzem Herzen Kölnerin ist.
Die Anregung, sich eingehender mit der Literaturszene Kölns zu befassen, hat sie sofort aufgegriffen. Es folgte eine intensive Auseinandersetzung mit den 60er Jahren, in denen wilde Kerle wie Rolf Dieter Brinkmann die gesetzteren Nachkriegsliteraten aufgemischt haben. Die besondere Stimmung zwischen Wiederaufbau und Umstrukturierung hat die Literaturfrau besonders gereizt und sie geht ganz forsch auch der Frage nach, ob es so etwas wie eine bedeutende Literaturszene in Köln überhaupt gegeben hat.
Die für die Kölner Literatour begonnene Recherche ist mittlerweile zu einem umfangreichen Expertenwissen geworden, das auch Eingang in die entsprechende Fachliteratur finden wird. Wozu doch Stadtführungen führen können, wenn einmal der Funke der Begeisterung übergesprungen ist. Wir hoffen jedenfalls auf noch viele gewinnbringende Kölner Literatouren in Kooperation mit Ulrike Sawicki.
Geschrieben von Anke von Heyl in Experten am 03.09.09 12:18 | [Bearbeiten]
»In Deutz beginnt der Bolschewismus und hinter Kassel die Walachei.«
Konrad Adenauer